quick loans
 
... wurden am 11. April 2003 in der vom Ev. Verein zur Förderung der Initiativen gegen Arbeitslosigkeit - eviga - e.V. veranstalteten Jahrestagung und Mitgliederversammlung im Zentrum Lehrter Strasse der Berliner Stadtmision nachvollzogen.
Einleitend nahmen in einer Podiumsdiskussion zur gegenwärtigen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik in Berlin Hans-Jürgen Michelmichel, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen sowie Michael Haberkorn, Geschäftsführer des Berliner Verbandes für Arbeit und Ausbildung (bvaa) Stellung, moderiert von Dr. Alexandra Wagner, Arbeitsmarktforscherin.

20 Jahre Arbeitsförderung in der Diakonie Berlin - Brandenburg

Während bisher in Berlin 30% aller Vermittlungen von Arbeitslosen aufgrund fehlender Arbeitsplätze in der privaten Wirtschaft in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) erfolgten, werden diese Instrumente nunmehr der wirtschaftlichen Prüfung unterzogen, so Michelmichel. Die Hartz-Reform zwingt dazu, Arbeitslosengeld (ALG) zu sparen. Arbeitslose mit hohem ALG sollen schnell vermittelt werden, wozu auch noch die Vermittlung in ABM gerechnet wird, die jedoch nicht mehr 12 Monate dauern soll, damit keine neuen Ansprüche auf ALG entstehen. Nur müssen die ABM jetzt von den Kommunen allein, ohne Bundeszuschüsse finanziert werden. Geplant sei, die Instrumente ABM und SAM zu einer Leistung zusammen zu fassen, in Höhe etwas über dem jetzigen Sozialhilfeniveau liegend. Die bisherige tarifliche Bindung der Vergütung in ABM solle entfallen, bezahlt wird nur noch pauschal.
Haberkorn bezeichnet die jetzigen Reformbemühungen und Sparvorhaben der Beschäftigungspolitik in Berlin als unkoordiniert, hastig, ja sogar chaotisch. Durch die Praxis der halbjährlichen Zuweisung in ABM seien die in der Vergangenheit erarbeiteten Qualitätsanforderungen gefährdet. Arbeitslose Menschen hätten einen Anspruch darauf, beraten und betreut sowie in sinnvolle Beschäftigungsmaßnahmen eingesetzt zu werden.
Der Umgang mit den Beschäftigungsträgern sei nicht zufrieden stellend. Die Berliner Arbeitsmarktpolitik sieht die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege als keine kompetenten Gestaltungspartner an, da sie selbst involviert und dadurch nicht neutral seien.
Haberkorn befürchtet, dass die Beratungsarbeit der Wohlfahrtsverbände gefährdet sei, da es keine ABM in Beratungsstellen mehr geben wird. Die LIGA der Wohlfahrtsverbände sei aufgerufen zu analysieren, welche Angebote bei Wegbrechen bisher geförderter Arbeitsplätze nicht mehr vorgehalten werden können. Er ermuntert, sich weiter in den Klärungsprozess einzumischen. Er ermutigt die Beschäftigungsträger für den als "arbeitsmarktfern" bezeichneten Personenkreis einen ehrlichen zweiten Arbeitsmarkt zu halten.
Allerdings blieben noch viele Fragen offen, die z.B. Angebotsstrukturen und sinnvolle Kooperationen betreffen. Er fordert die Kommunen auf, sich nicht zurück zu ziehen, sich dafür einzusetzen, dass keine Brüche entstehen und die Beschäftigungsträger in den Umorganisationsprozess einzubeziehen.

Der eviga e.V. als Rechtsnachfolger der 1983 gegründeten ABM-Regiestelle, später Fachbereich Arbeit des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg (DWBB) ist einer dieser Beschäftigungsträger im Bereich der Ev. Kirche und ihrer Diakonie. Seit 20 Jahren wird hier eine hochwirksame Integrationsleistung erbracht, insbesondere für Langzeitarbeitslose mit hohen Vermittlungshemmnissen. Frau Kahl-Passoth, Direktorin des DWBB, würdigte diese Arbeit.
Den Bezug zum 128.Psalm "Du wirst dich nähren von deiner Hände Arbeit; wohl dir, du hast´s gut" herstellend, verwies sie auf die Angebote des eviga e.V.. Dass diese Arbeit qualifiziert geleistet wurde, drücke die Eingliederungsrate aus den Maßnahmen des eviga von 15 - 20 % in eine Beschäftigung auf dem ersten bzw. in Anschlussmaßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes aus. Sicher wäre die Zahl höher, wenn der Arbeitsmarkt es hergeben würde.

G.Kern, Passoth

Zusammenhang würdigte sie die Arbeit und das Engagement von Dieter Windisch, dem jetzigen Geschäftsführer des eviga e.V. und verlieh ihm das Goldene Kronenkreuz. Dieter Windisch kann zurück blicken auf 40 Dienstjahre in der EkiBB, dem DWBB, beim E.V.I. e.V. und eviga e.V., auf die in Grußworten von Altbischof Dr. Kruse, Herrn Oberländer und den Kooperationspartnern der "ersten Stunde", Hans-Jürgen Michelmichel und Dr. Joachim Hage Bezug genommen wurde.

Alles in allem war es eine gelungene Jahrestagung, die die 20jährige Tätigkeit in der Arbeitsförderung von Kirche und Diakonie, unterstrichen durch eine Ausstellung, die Streiflichter aus dieser Zeit verdeutlichte, allen Teilnehmenden ins Gedächtnis rief.

Gundel Kern

Vorsitzende eviga e.V.