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PNN-online schrieb am 05.April 2008:

„Kari“ in Seenot

Wikingerboot zum Verkauf angeboten

Mit Keulen, Schwertern, Streitäxten und Schildern ausgerüstet, stürmten fast 20 muntere Kinder am Potsdamer Ufer des Jungfernsees das Wikingerboot „Kari“. In einem Schulprojekt haben die Sieben- bis Zehjährigen der Waldhortgruppe des Hortes „Feldmäuse“ im Kirchsteigfeld das Leben der sagenumwobenen Nordmänner erforscht und lernten nun auch deren Ruder- und Segelkünste kennen.

Mit der Ausfahrt begann jetzt die voraussichtlich letzte Saison des Bootes, das seit Mai 2003 als Fähre zwischen der Matrosenstation „Kongsnaes“ an der Schwanenallee und der Sacrower Heilandskirche verkehrte. Nachdem die Potsdamer Weisse Flotte 2006 ihren Steg am Wochenende in Sacrow für die „Kari“ gesperrt hatte, war die Zahl der Passagiere erheblich zurückgegangen. Im Vorjahr musste der Fährverkehr abgegeben werden, seitdem fährt das Boot nur noch im Charterverkehr, der nicht die notwendigen Einnahmen sichert.

„Wir sind schwer enttäuscht, dass die Stadt keinen Finger rührt, um diese touristische Attraktion zu erhalten“, erklärt Dieter Windisch, stellvertretender Vorsitzender des Schiffseigners Eviga. „Auf unsere Schreiben werden wir nicht einmal mehr einer Antwort gewürdigt.“ Der Evangelische Verein zur Förderung der Initiativen gegen Arbeitslosigkeit hatte das Boot 2002/03 durch junge Erwerbslose bauen lassen und an Schiffsführer Peter Borrmann verpachtet. Dadurch kam auch ein junger Mann als Matrose wieder in Arbeit. Er musste längst wieder entlassen werden.

„Als gemeinnütziger Verein können und dürfen wir den Bootsbetrieb nicht subventionieren“, stellt Windisch klar. „Zudem können wir dem Pächter kein Verlustgeschäft zumuten.“ Obwohl man noch immer auf eine andere Lösung hoffe, so durch Hilfe von Spendern und Sponsoren, wurde die „Kari“ dennoch zum Verkauf angeboten. Damit würde sie Potsdam höchstwahrscheinlich verloren gehen. Diese Saison 2008 werde man aber noch durchhalten, Gruppenfahrten können weiter unter Bordtelefon 0160/98585990 angemeldet werden

Das Wikingerboot ist in verkleinerter Form dem 1880 im Seeschlamm vor der norwegischen Küste gefundenen, so genannten Gokstad-Schiff aus dem 8. Jahrhundert nachgebaut worden. Solche Boote wurden von den Wikingern für ihre Tausende Seemeilen langen Eroberungsfahrten genutzt. Der Nachbau wurde nach der nordischen Sturgöttin Kari benannt. Er ist mit einem 40 Quadratmeter großen rostroten Segel ausgestattet und besitzt 14 Ruderplätze. Er bietet 18 Passagieren Platz. Für den Motorbetrieb steht ein 9,9-kW-Viertaktmotor zur Verfügung.

Erhart Hohenstein